Hahnemann meinte, dass der menschliche Körper über eine Energie
verfüge, die auf die Stimulierung mit homöopathischen Mitteln
reagiert und den Körper anregt, sich selbst zu heilen. Diese
Energie nannte er "Lebenskraft des Körpers". Sie ist
die Kraft, die den Körper gesund erhält, indem sie die
Abwehrkräfte des Organismus steuert. Ist sie gestört, z.
B. durch Umwelteinflüsse, entstehen Krankheiten. Symptome der
Krankheiten sind äußerliche Anzeichen dafür, dass
die Lebenskraft versucht, das gestörte Gleichgewicht wieder
herzustellen.
Das Konzept der Lebenskraft ist mit den schulmedizinischen Selbstheilungskräften
vergleichbar.
Die Homöopathie betrachtet den ganzen Menschen und nicht nur bestimmte
Symptome und Organe. Neben seinen Beschwerden gehen auch seine Vorlieben
und Gewohnheiten, seine gesamte Persönlichkeit in die Behandlung
mit ein.
Der Begriff "Konstitution" beschreibt den körperlichen, geistig-seelischen
Gesundheitszustand des Menschen, einschließlich Gemütslage und Charaktereigenschaften.
Viele Homöopathen messen dem "Konstitutionstypus" eine große
Bedeutung bei und stimmen die Arzneimittel genau auf das "Arzneimittelbild" des
Patienten ab. Dies entspricht der von Hahnemann entwickelten und von Dr. James
Tyler Kent und Dr. Constantine Hering weiterentwickelten Lehre der klassischen
Homöopathie.
In der klassischen Homöopathie wird ein Patient mit einem einzigen Arzneimittel
behandelt, das optimal mit seinem Konstitutionstyp übereinstimmen muss.
Die Suche nach dem passenden Mittel kann langwierig sein und erfordert vom Homöopathen
viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen.
Klassische Homöopathie bevorzugt hohe Potenzen.
Die vom britischen Homöopathen Dr. Richard Hughes initiierte moderne Homöopathie bezieht im Gegensatz zur klassischen Homöopathie nur pathologische Symptome in die Mittelfindung ein und bevorzugt niedere Potenzen. Sie benutzt auch Komplexmittel. Darin sind mehrere homöopathische Arzneimittel kombiniert, die alle einen Bezug zu bestimmten Beschwerden haben. So wird es einfacher, das richtige Medikament zu finden.
„Ähnliches soll mit Ähnlichem geheilt werden“.
Dieser Grundsatz der Homöopathie klingt zunächst verblüffend:
Linderung soll genau das Mittel bringen, das in hoher Dosis die Beschwerden
des Patienten verursacht. Der gezielte Reiz, den die Arznei setzt,
greift tief in Regulationsvorgänge des Organismus ein, stärkt
seine Selbstheilungskräfte.
Dieses Ähnlichkeits- bzw. Simile-Gesetz ist auf Hippokrates
zurückzuführen.
Hahnemann stellte fest, dass manche Menschen trotz der Behandlung mit
homöopathischen Mitteln immer wieder Rückfälle erlitten.
Er nannte das "Miasma" und meinte damit eine angeborene
Schwäche, Anfälligkeit für eine bestimmte Störung.
Hahnemann entwickelte Nosoden als Mittel gegen Miasmen. Sie werden
aus menschlichen oder tierischen Krankheitsstoffen gewonnen, z. B.
Syphilis (auf Syphilis basierend) oder Psorinum (Inhalt von Krätzebläschen).
Durch Sterilisierung und Potenzierung sind sie völlig unschädlich.
Die homöopathischen Arzneimittel werden aus pflanzlichen, tierischen
oder mineralischen Auszügen hergestellt, verdünnt und nach
bestimmten Regeln geschüttelt, um die Nebenwirkungen auszuschließen.
Paradoxerweise wirken die Mittel umso stärker, je verdünnter
sie sind.
Verdünnen und Verschütteln macht die Arznei also kräftiger, „potenziert“ sie.